Ruhig geworden ist es hier. Dass es kaum Kommentare dieses Jahr gab, ist verständlich. Schließlich gab es 2011 auch nur einen Beitrag von mir, und der war sehr knapp. Der folgende Satz allerdings hat, da er von jemandem stammt, der Fotografie sein Hobby nennt und ein eigenes Fotoblog hat, in der Tat einen eigenen Absatz verdient.
Ich habe dieses Jahr noch kein Foto gemacht.
Warum? So genau kann ich das gar nicht sagen. Auch jetzt gerade sitze ich hier, den Laptop auf meinem Schoß, starre den blinkenden Cursor an und überlege, weshalb ich keine neuen Bilder gemacht oder zumindest ein paar aus dem Archiv gebloggt habe. Ich weiß es nicht.
Ich hatte keine Lust zu Fotografieren. Meine Kamera steht im Wohnzimmer, ich sehe sie jeden Tag, aber hat es mich in den Fingern gejuckt sie in die Hand zu nehmen, ans Auge zu führen, Blende und Belichtungszeit einzustellen und den Auslöser zu drücken? Offensichtlich nicht. Motivationslöcher habe ich von Zeit zu Zeit, das ist nicht so ungewöhnlich. Ungewöhnlich hingegen ist, dass es so lange anhält – und dass ich es gar nicht bedauere.
Ich hatte keine Lust zu Bloggen. Meinen Computer schalte ich jeden Abend ein, aber hatte ich das Verlangen, mich ins Backend einzuloggen und ein paar Zeilen zu schreiben oder zumindest nach den Statistiken zu schauen? Ein ganz klares “nein”. Worüber hätte ich auch schreiben sollen? Das hier ist ein Fotoblog, ein öffentliches Tagebuch sollte es nie sein, von Themen wie Guttenberg und Hamburg-Wahl will ich mein Blog auch frei halten. Es reicht meiner Ansicht nach, dass ich hier meine Fotos zur Diskussion stelle, da muss ich nicht auch noch allen, die es hierher verschlägt, meine Meinung zu Politik, Gesellschaft und Religion aufs Auge drücken.
Und warum schreibe ich heute etwas? Eine verdammt gute Frage, Daniel… Mit zwei Kollegen habe ich mich heute über Fotografie unterhalten. Ja, ok, “das Thema Fotografie angeschnitten” würde es wohl eher treffen. Einer der Kollegen nannte mich dabei einen “hervorragenden Fotografen” (irgendwie nett, aber schamlos übertrieben), fügte allerdings hinzu, dass ich nicht seine erste Wahl wäre wenn er sich fotografieren lassen würde (irgendwie weniger nett, aber schamlos ehrlich). Er kennt meine Fotos von diesem Blog hier, und aus der Sicht ist es nachvollziehbar: Menschen sind auf den Bildern, die ich hier veröffentliche, nicht zu sehen. Warum das so ist muss ich denke ich keinem Hobbyfotografen erklären, Stichwort “Recht am eigenen Bild”. Irgendwie hat mir das dennoch zu denken gegeben.
Die Bemerkung habe ich zum Anlass genommen, mir heute Abend mal die Fotos auf meiner Festplatte anzuschauen, sie zumindest zu überfliegen. Ich habe vor fünf Jahren mit dem Fotografieren angefangen, bis Ende 2008 als freier Journalist vor allem geschrieben, später auch fotografiert – da kommt einiges zusammen. Was mir insbesondere bei den älteren Bildern aufgefallen ist: technische Mängel (unausgewogene Belichtung, falscher Schärfepunkt – die typischen Anfängerfehler), aber auch eine Bildsprache und Komposition, die in der Summe so etwas wie einen eigenen Stil ergibt. Und mir haben, trotz aller Mängel, meine Bilder gefallen. Auch weil ich das Gefühl hatte, dass zwar bestimmt kein hervorragender, aber wenigstens ein guter Fotograf sie gemacht hat.
Juckt es mir jetzt in den Fingern? Ein wenig. Zumindest blogge ich ja diese Zeilen hier. Besserung im Sinne von “bald habt Ihr hier wieder mehr zu gucken und zu lesen” wird dieses Mal ausdrücklich NICHT gelobt. Mir kam allerdings heute Nachmittag tatsächlich der Gedanke, dass ich mir am Wochenende, wenn das Wetter hier in Hamburg es gut mit mir meint, meine Kamera schnappe und eine kleine Tour mache. Erstmal schauen, ob die Akkus voll und die Speicherkarten leer sind. Danach mal schauen, wie viel man in mehr als zwei Monaten ohne Praxis verlernen kann. Und schließlich mal schauen, ob ich den Kollegen überreden kann, sich doch von mir knipsen zu lassen.