Warum blogge ich eigentlich?
Es ist mal wieder soweit: Zeit für nen Grundsatzartikel. Nachdem ich mich im Rahmen einer Blogparade schon einmal darüber ausgelassen habe, warum ich fotografiere, ist diesmal das Thema “Bloggen” angesagt, ausgelöst durch einen Artikel bei Basic Thinking, der nach der Lektüre der von Bloggern gestalteten, wohl besser inhaltlich gefüllten “Scroll Edition” der Welt kompakt das Internet für belanglos und Bloggen für tot erklärt.
Hand aufs Herz: Warum blogge ich? Wegen des Geldes? Die paar Euro könnte ich auch anders ausgeben. Werbung werde ich hier nicht schalten, Flattr kommt mir auch nicht auf die Seite, und als Auftragsfotograf gegen Honorar – nur für den Fall, dass jemand mal auf diese abwegige Idee kommen sollte – stehe ich nicht zur Verfügung. Ruhm? Da muss ich nur einen kurzen Blick auf meine Blogstatistik werfen: so viele Leser verirren sich nicht hierher, die meisten, die via Google auf meinem Blog landen, springen nach einer Seitenansicht wieder ab, und ohne genaue Daten zu haben vermute ich, dass ich bei der Zahl meiner Abonnenten statt eines Feeds problemlos einen Telefonservice anbieten könnte, bei dem ich persönlich über neue Artikel informiere. (Das hätte sogar was…) Spaß? Ja, das trifft es ganz gut.
Ich schreibe gern, und ich bin arrogant genug zu wissen selbstbewusst genug zu glauben, dass ich das auch ganz gut kann. Ich beschäftige mich gern mit Computern, was eigentlich wieder gegen WordPress spricht, da hier in der Regel alles läuft und ich gar nicht selbst Hand anlegen muss, um Probleme zu lösen. Ich mache auch gern Fotos, und ich finde, dass einige davon ganz gut gelungen und zu schade sind, nur auf meiner Festplatte ihr digitales Dasein zu fristen. Hier kommt dann vielleicht doch der “Ruhm”-Gedanke durch: Wenn ich ein in meinen Augen hübsches Bild mache, es online stelle und ein mir vollkommen Fremder vom anderen Ende der Republik es mit “schönes Foto” kommentiert, dann streichelt das mein Fotografen-Ego – und ich freue mich dass auch die, die keinen Zugriff auf meine Festplatte haben ( = Weltbevölkerung – 1 ) sich das Bild anschauen können.
Ist das jetzt belanglos, liebe Redakteure von Basic Thinking? Reite ich ein totes Pferd? Ach, vergesst diese Fragen: Mein persönliches Relevanzempfinden wiegt hier schwerer als die Relevanzzuschreibung eines kommerziellen Blogs. Ich mache hier genau das, was angeblich überholt ist: persönliche Gedanken und Beobachtungen schreiben. Und ich mach’s gerne. Allerdings habe ich auch weder Hund noch Katze noch Kinder, so dass ich hier nicht mit Floh-/Katzen-/Windel-Content dienen kann. Dafür hab ich ‘nen Teddy, über den ich mir wahrscheinlich täglich tolle Geschichten ausdenken könnte. Und die Frage ist hier nicht “will das denn jemand lesen?” sondern eher “will ich das denn schreiben?”.
Schlagworte: Fotoblog, Grundlagen, ohne Bild

12. Juli 2010 um 21:28 Uhr
Dazu noch zwei Punkte:
Erstens: Einen Telefonservice würde ich mal echt klasse und persönlich finden
Zweitens: Etwas niederzuschreiben hilft oft dabei, das Erlebte besser zu begreifen und zu bearbeiten und damit wieder einen Schritt in Richtung Verbesserung und Learning zu betreiben. Also pfeife auf Basic Thinking und blogge weiter!
12. Juli 2010 um 21:55 Uhr
Hehe, dann meldet Euch mal alle gefälligst für den Telefonservice an. Beiträge planen kann ich mir dann abgewöhnen. Und ich freu mich schon auf die Reaktionen, wenn ich nachts um eins was blogge und meinen Rundruf starte…
Und auf diesen seltsamen Basic Thinking-Beitrag pfeif ich sowieso… wie geschrieben: Ich mach das hier in erster Linie für mich selbst, freue mich aber über jeden, der das liest und dem’s gefällt.
Aber gut dass Du kommentierst, erinnert mich daran, dass ich meine Blogroll noch überarbeiten wollte…
13. Juli 2010 um 15:22 Uhr
dein schlusssatz ist wohl wahr und beschreibt glaube ich den weitaus überwiegenden teil der bloggerszene sehr gut: ich bekomme auch gern mit lob die seele gestreichelt und finde, dass die fotos einfach schade sind um sie auf einer festplatte allein zu bunkern. also will ich ntürlich besucher und kommentare. aber in erster linie entscheide ich über den content und alles, was dazugehört.
13. Juli 2010 um 18:29 Uhr
Klar, wenn es wirklich nur um das Schreiben in Reinform ginge, könnte ich auch Tagebuch führen, und jeder Kommentar streichelt Seele und Ego. Aber ob’s jetzt 5, 50 oder 500 Besucher am Tag sind? Ich hab lieber ein paar Leser weniger, denen es dafür hier gefällt und die wieder kommen. (Ansonsten sollte ich auch eher über Promis oder Fernsehserien bloggen…)
14. Juli 2010 um 08:43 Uhr
da hast du recht. mir ist es auch lieber, ich habe weniger klicks und visits, dafür aber mehr kommentare. die reine statistik ist mir nicht so wichtig. schön ist es auch, eine gewisse stammleserschaft zu haben, die immer wieder kommt. leider verliert man viele leute auch wieder am weg, viele verschwinden, hören auf zu bloggen, interessieren sich für andere dinge. aber zumindest manche begleiten einen wirklich büer lange zeit.