2010
01.24

Fotografieren macht mir Spaß. Ich schau mir von Zeit zu Zeit auch gerne meine alten Fotos an, sehe Orte, an denen ich war, Menschen, mit denen ich Zeit verbracht habe oder die zumindest an mir vorbeigegangen sind. Jede Menge Erinnerungen schlummern in diesen Bildern. Eins allerdings zeigen sie nur ganz selten: mich.

Na gut, wirklich überraschend kommt das jetzt wirklich nicht, schließlich stehe ich normalerweise hinter der Kamera. Im Interesse des Bildes ist das auch gar nicht schlimm, ich finde mich selbst nämlich alles andere als fotogen: Meine Nase wirkt auf Fotos viel zu groß, mein Gesicht zu lang, mein Foto-Lächeln finde ich grauenhaft. Kurzum: Wenn ich Bilder von mir selbst sehe, ist mein erster Reflex oft, “löschen!” zu rufen.

Im Film “One Hour Photo” stellt Robin Williams’ Filmfigur die These auf, dass Menschen fotografieren, um die schönen Momente ihres Lebens zu dokumentieren. Ich denke, für den privaten Bereich trifft das für den überwiegenden Teil der Bilder zu: Kaum jemand käme während eines Streits mit seinem Partner auf die Idee, ein Bild zu schießen. Und ich möchte denjenigen sehen, der sich zwei Minuten, nachdem sein Chef ihm gekündigt hat, freiwillig ablichten lässt.

Wenn ich meine Fotosammlung durchschaue sehe ich viele schöne Momente – aber es sind die schönen Momente anderer.

Urlaube, Ausflüge, Feiertage: Ich weiß, dass ich da war – sonst gäbe es die Bilder ja auch nicht -, aber ich bin immer in der Rolle des Beobachters, blicke von außen auf die Szenerie, statt daran teilzunehmen. Es gibt ein schönes Bild vom letzten Weihnachtsfest, die engste Familie versammelt, drei Generationen auf einem Bild – der einzige, der fehlt, bin ich.

Vielleicht ist es ja der “Birthday Blues”, der da aus mir spricht – diese Phase kurz vorm eigenen Geburtstag, in der man im besten Fall sentimental, in der Regel melancholisch, schlimmstenfalls leicht depressiv ist. Ich blicke in dieser Phase meist auf das vergangene Jahr zurück, und das war bei mir diesmal sehr aufregend: viele Veränderungen, einige Erfolge, aber auch die ein oder andere herbe Niederlage. Dokumentiert ist das alles nicht: Von den hunderten Fotos aus 2009, die ich auf meiner Festplatte habe, gibt es gerade mal eine Hand voll Bilder, die ich selbst mit ausgestrecktem Arm geschossen hab. Und ein einziges, das jemand anderes von mir gemacht hat.

Zwischen Weihnachten und Neujahr war ich bei meinem großen Bruder, einen Abend haben wir Guitar Hero gespielt. Während ich vor mich hin schrammel (ich glaube es war “Re-Education (Through Labor)” von Rise Against) schnappte sich mein Bruder meine Kamera und legte auf mich an. Ich hätte protestiert, wäre ich nicht so aufs Spiel konzentriert gewesen – jetzt bin ich froh, dass ich ihn hab machen lassen:

Vor einigen Monaten hat Birgit in einem Post aufgerufen: “Vergiss nicht, Dein Leben zu fotografieren.” Mein Aufruf: “Vergiss nicht, Dich selbst fotografieren zu lassen.”

23 comments so far

Kommentieren
  1. Stimmt! Das ist tatsächlich ein Aspekt, den ich auch immer wieder vergesse. Dabei ist es eigentlich so einfach, wem anders die Kamera in die Hand zu drücken… Gut, dass du mich dran erinnerst!

  2. Echt, Du findest es einfach, jemand anderem Deine Kamera in die Hand zu drücken? Mich kostet das jedesmal Überwindung und ich mach das total ungern…
    Entweder muss ich mich häufiger überwinden oder häufiger mit Leuten losziehen, die selbst ne Kamera dabei haben. ;-)

  3. Ich pass bei meinen Freunden auf, dass die den Gurt um den Hals hängen. Dann passt das. Wenn wir zusammen sitzen, liegt die Kamera meist auf dem Tisch (wenn ich sie mit hab). Und wer mag, nimmt sie und macht ein paar Fotos. Lohnt sich immer.

    Und im Zweifel gibts ja die Haftpflicht ;)

  4. Bei uns haben viele Schwierigkeiten mit der Kamera und es macht mir eben auch Spaß selbst zu fotografieren. Oftmals bin ich aber auch ein wenig enttäuscht das ich nirgends mit drauf bin ( auch wenn es mir wohl eher so wie dir geht und ich mich einfach nicht gerne auf Bildern sehe )….tolles Familienfoto auf dem die Familie unvollständig ist! Vielleicht ist es wirklich besser, so wie bee schon geschrieben hat, öfter mal die Kamera aus der Hand zu geben, selbst wenn das mit viel Erklärerei verbunden ist ;-)

  5. Wenn ich so mein Archiv durchschaue, findet sich so gut kein (und schon gar nicht gutes) Foto von mir. Ich sollte mich auf jeden Fall mal mit dem Thema Selbstportait auseinandersetzen. Na mal schauen….

  6. @bee: Ein guter Hinweis – vor allem der mit der Haftpflicht. ;-)
    Bei Gelegenheit werd ich definitiv darauf achten, dass ich auch selbst im Bild bin, wenn jemand fotografiert. Bislang bin ich bei sowas immer einen Schritt zurück getreten…

  7. @dienitty: Naja, für sowas gibt’s ja den Automatik-Modus. Dann muss ich den Leuten nur noch sagen, dass sie durch den Sucher gucken müssen und das Bild nicht vorher im Live-View auf dem Display erscheint… ;-)
    Ideal wär’s natürlich, wenn bei Familienfeiern mehr als einer eine Kamera dabei hat und man nachher ein paar Bilder, die einen selbst zeigen, zugeschickt bekommen kann.

  8. @Daniel: Ich hab zum Glück noch ne Kompaktkamera mit dreh- und schwenkbarem Display. Für Selbstbilder mit ausgestrecktem Arm ganz gut, aber irgendwie nicht das selbe wie wenn jemand anderes Dich fotografiert. Außerdem liegt die “Kleine” in der Regel daheim in der Schublade, wenn ich mit der “Großen” losziehe… vielleicht sollte ich das mal ändern.
    PS: Ich hoffe Du hast nichts dagegen, dass ich Deinen Namen etwas abgeändert habe… der Name “Daniel” ohne Zusatz ist in diesem Blog fest für mich reserviert. ;-)

  9. @Daniel S.: Selbstportraits sind das eine, aber sie sind immer gestellt. Viel schöner sind doch Schnappschüsse. Technisch selten perfekt, aber in 20 Jahren wirst du dich über die viel mehr freuen als über ein perfekt ausgeleuchtetes Selbstportrait!

    @Daniel: Dir fehlt ein Gravatar – find das dann viel einfacher, die Daniels ausnanderzuhalten ;)

  10. Hach, nen Gravatar wollte ich mir schon seit einiger Zeit zulegen (vor allem, weil mein Theme die ja so schön einbindet…). Dann brauch ich ja nur noch ein schickes Foto von mir – was war nochmal das Thema dieses Beitrages? ;-)

  11. “Der doppelte Daniel”? ;)

    Na dann ab, gravatar.com, dauert 2 min, dann hast du einen.
    Anschließend darfst du diesen Kommentar, der zugegebenermaßen echt OT is, auch wieder löschen.

  12. Du scheuchst mich ja schon wieder, diesmal sogar über meine eigene Kommentarspalte… ;-)
    Tada! Zufrieden? Ich hatte mich sogar bei Gravatar schonmal angemeldet, hatte aber kein Bild zur Hand, das ich hätte nehmen können. :-)
    Und Kommentare werden hier nur gelöscht, wenn’s nen wirklichen Grund gibt. OT reicht mir da nicht.
    “Der doppelte Daniel” war das Thema in diesem Post. ;-)

  13. Hihi jaaa, zufrieden. Siehst du? Es lohnt sich doch, von mir gescheucht zu werden :P

  14. Ich hab’s schonmal geschrieben: das mit dem Scheuchen sollten wir nicht zur Gewohnheit werden lassen…

  15. Ok, ich lass das – werd dich höchstens gaaanz gelegentlich noch motivieren (wenn ich darf) ;)

  16. Haha, klar darfst Du. Von mir aus darfst Du mich auch ab und an mal scheuchen. Aber nicht jeden Sonntag, ja? ;-)

  17. Lieber Daniel,
    ich finde, Du siehst gut aus. Da gibt es nix zu meckern! Und dass Bee Dich gescheucht hat, finde ich auch gut – das Bildchen ist witzig. Ich hab mich früher auch nicht gerne fotografier(t) (en lassen), aber nun, mit Falten und Doppelkinn, geht es plötzlich ;)

    Grüße von Ruthie

  18. Danke, Ruthie, das geht ja runter wie Öl. :-) Dass ich nicht hässlich bin weiß ich ja *hüstel*, aber irgendwie find ich mich auf Bildern immer schlecht getroffen. So ähnlich wie wenn man seine Stimme auf Tonband hör… ist anders als man es erwartet. ;-)

  19. [...] hat recht! Von dienitty 4 Kommentare Kategorien: Allgemeines Geht es euch auch so ? Ich hab diesen Artikel als Grund dafür genommen einmal zu stöbern wann das letzte Mal Bilder [...]

  20. Im Grunde genommen geht es mir auch so. Ständig hinter, kaum vor der Kamera. Meine Tochter hat eine kleine Kamera, aber inzwischen keine Lust mehr sie zu nutzen. Bei Urlaubseerinnerungen muss ich nich a auf den Foto sein. DEN Moment hab ich miterlebt. Aber es gibt andere Momente, welche, die mehr mich als die gesamte (na ja, nun sind wir nur noch 2) Familie betreffen. Da wünsch ich mir auch Erinnerungsbilder. Für andere Fälle hab ich ein Stativ mit Fernauslöser. LG Takinu

  21. @Takinu: Wie bee weiter oben geschrieben hat fehlen mir mehr die Schnappschüsse, bei denen man vielleicht gar nicht mitbekommt, dass man fotografiert worden ist.
    Aber was den Urlaub angeht stimmt’s: Wenn ich da die Dinge fotografiere, die ich im Urlaub gesehen und die mich beeindruckt haben, muss ich nicht unbedingt mit auf dem Bild sein. Schön wär’s manchmal trotzdem… ;-)

  22. ich finde, das bild ist gut gelungen! aber meistens sind die bilder, wo mans gar nicht merkt, dass man fotografiert wird unds einem egal ist eh die besten. wo man grade spaß hat. das kann man halt nicht planen. von mir gibts auch nicht soviele bilder, die ich wirklich mag.

    das mit den bildern im haus des meeres war wohl glückssache (= ich hab einfach herumprobiert bei den einstellungen und gar so dunkel war es nicht – die aquarien dort sind innen schön beleuchtet, von da her gehts ganz gut. hab einfach mit weißabgleich und helligkeit gespielt. ansonsten hat den rest die kamera selber gemacht (=

  23. Also dafür, dass mein Bruder meine Kamera das erste mal in der Hand hatte und ich ihm nix erklärt hab ist das Bild super! :-) Ok, den Bildausschnitt hab ich neu gewählt, aber ich finde mich gut getroffen.
    Mit den Bildern im Haus des Meeres hab ich schon gelesen… ich hab nämlich die Kommentare abonniert. ;-)

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