12.14
dienitty hat mal wieder was gebloggt, was mich direkt herausgefordert hat: Sie hat versucht, Low Key-Bilder zu schießen. Da ich diese Optik auch sehr mag dachte ich mir, ich probier’ mal mein Glück. Herausgekommen ist das:
Das Foto Schritt für Schritt
Da ich diese Optik besonders bei Portraits auch sehr mag und in Ermangelung eines menschlichen Models musste ein Teddy herhalten – war ein Weihnachtsgeschenk meines kleinen Bruders vor zwei Jahren, der Rücken ist eine Tasche, in den man eine Wärmflasche stecken kann, und er hört auf den Namen Jacques.
Zunächst hab ich mich um den Aufbau gekümmert: In diesem Falle glücklicherweise ists im Winter früh dunkel, so dass ich kein einfallendes Licht aussperren musste. Als Lichtquelle diente mir ausschließlich eine Schreibtischlampe (20 Watt). Damit der Hintergrund schön in der Dunkelheit verschwindet habe ich die Lampe so gedreht, dass die Wand kein direktes Licht abbekommt. Einzig der Teddy sollte direkt beleuchtet sein, weshalb ich ihn schön weit von der Wand weg platzieren musste. Ein wenig fotografisches Hilfsmittel dabei: Eine Dose Ravioli, damit Jacques nicht umkippt. Das ganze sah dann so aus.
Wie man vielleicht sieht ist mein Hintergrund (Tür und Heizung) weiß, was bei Low Key-Aufnahmen vielleicht nicht so nahe liegt.
Beim Foto selbst habe ich zunächst den niedrigsten ISO-Wert, den ich zur Verfügung habe, ausgewählt. Bei meiner Kamera heißt das “Lo80″, soll ein Modus speziell für Low-Key-Aufnahmen sein und dafür sorgen, dass auch in dunklen Bereichen noch Zeichnungen vorhanden sind. Für die Belichtungsmessung heißen die Zauberworte “Spot-Messung” und “manuelle Einstellung”: Per Spotmessung hab ich die hellste Stelle meines Models (rechts neben der Nase) angepeilt und mir die Werte für Blende und Verschlusszeit, die die Kamera gewählt hätte, gemerkt. Anschließend hab ich für die manuelle Einstellung die Blende übernommen, die Belichtungszeit allerdings verkürzt und mich Bild für Bild ans passende Ergebnis heran fotografiert. In Zahlen: Bei Brennweite 60mm bei 1/6 Sekunde F 5,6. Ohne jede Bearbeitung sieht das Ergebnis zunächst so aus:
Bildbearbeitung
Ein bisschen was nachgeschraubt hab ich dennoch, allerdings hat mich das ganze keine fünf Minuten gekostet (Aufbau und Fotografieren war zeitaufwändiger): Zunächst hab ich in der Bildbearbeitung die Funktion für den automatischen Weißabgleich gewählt – war an der Kamera auch aktiviert, und in Kombination mit der Auto-Funktion im GIMP erziele ich damit in der Regel ganz gute Ergebnisse.
Schon besser unter dem Aspekt Licht und Schatten, aber der Hintergrund ist mir noch zu hell. Deshalb einfach nochmal den Kontrast hochschrauben und schon haben wir dieses Bild:
Geht doch: Die Schatten verschwinden im Dunkel, die belichtete Teddy-Seite bleibt schön hell. Bis hierher keine zwei Minuten (Datei öffnen und immer zwischenspeichern inklusive).
Etwas aufwändiger war lediglich der letzte Schritt: Einen hübschen Ausschnitt wählen (das ging schnell) und das letzte bisschen Boden, das links vom Bär noch einigermaßen zu sehen ist, großflächig über die “Abwedeln”-Funktion abgedunkelt. Aber auch das waren keine zwei Minuten – und das Ergebnis ist ganz oben zu bewundern.
Fazit
Die wichtigsten Schritte bei dieser Low Key-Aufnahme aus meiner Sicht:
- gezielte Beleuchtung: nur eine Lichtquelle, Licht von der Seite und leicht von hinten kein direktes Licht auf den Hintergrund
- Belichtungsmessung per Spot-Messung: jede andere Einstellung hätte versucht, die dunklen Stellen aufzuhellen, womit der Low Key-Effekt natürlich dahin wäre
- gewollte Unterbelichtung: laut meiner Kamera war das Bild fast zwei Blendenstufen unterbelichtet – entweder mit der Belichtungskorrektur arbeiten oder gleich manuell einstellen
@dienitty: Ich hoffe, das hilft Dir bei Deinen Versuchen ein bisschen weiter. Bin schon gespannt auf Deine Bilder.





Nicht schlecht
Schön das du das gleich auch einmal ausprobiert hast
Ich hab inzwischen noch etwas herumprobiert ( so schnell gebe ich mich ja nicht geschlagen )
Spotmessung, eine Schreibtischlampe 45° von hinten und manuell eine Unterbelichtung von ca. -2EV eingestellt. Am Motiv sollte es nicht unbedingt liegen denn ich hatte auch schon einen Hund mit schwarzem Fell in einem Low key entdeckt, allerdings gehe ich mal schwer davon aus, das hier einfach mehr mit Bildbearbeitung gemacht wurde. Deinen Bär find ich toll und scheint auch nicht allzu sehr Zeitaüfwenig gewesen zu sein.
Vielen Dank für deine Hilfe!
Na klar, Dein Post hat mich richtig angespornt. Ich hoffe, es hilft Dir ein bisschen weiter. Leider sieht man nicht allen Fotos sofort an, wie viel Nacharbeit da drin steckt… und mehr als fünf Minuten mag ich selten an der Bildbearbeitung sitzen. Aber ich denke, bei den meisten Low Key-Bilder wird die Nachbearbeitung länger dauern.
Ja ja, mein Teddy. Der muss jedes Mal herhalten, wenn ich fotografisch was ausprobieren will und kein menschliches Opfer greifbar ist.
Ich richte ihm aus dass Du ihn toll findest, da wird er sich freuen.
Hey, nun hat mich dein Beitrag aber ebenso angespornt wie dich der Beitrag von dienitty angespornt hat. Ich denke, nächstes Wochenende werde ich auch mal eine Low-Key-Aufnahme testen. Mal sehen, ob meine Freundin sich dafür hergibt
Ist auf jeden Fall klasse geworden, das Foto ebenso wie der Bericht. Danke für die Erklärungen kann ich da nur sagen!
Viel Erfolg – besonders beim Überreden der Freundin.
Gibt zum Glück einige Anleitungen für Low Key-Aufnahmen online, auch wenn viele beschreiben, wie man per Photoshop aus Aufnahmen Low Key-Bilder macht. Aber wenn man den Dreh mit der richtigen Belichtung einmal raushat, ist’s gar nicht so schwer.
das ist dir super toll gelungen. aber echt ganz schön viel aufwand für so ein bild. ich bin immer zu faul für sowas. hmhm.
Sieht alles viel aufwändiger aus, als es war: Den Blogpost zu schreiben hat glaub ich genauso lange gedauert wie das Foto zu machen und zu bearbeiten.
Normalerweise bin ich gerade in Sachen Bildbearbeitung auch nicht der Fleißigste. Aber zu Weihnachten zu sehen, wie mein kleiner Bruder sich gefreut hat, als er den Teddy, den er mir geschenkt hat, so schick fotografiert online gesehen hat, war’s wert.